Aus einem Brunnen wurde eine grosse Schule: «Mein Herz platzt vor Stolz»

Seit über 20 Jahren führt Rita Gigliotti, gemeinsam mit ihrem Ehemann Antonio, das Afrika-Hilfswerk in Ukunda in Kenia. Das Ehepaar schaut auf viele emotionsreiche, schöne und zugleich bewegende Jahre zurück.

«Wir sind zwar nicht reich, aber mit dem, was wir haben, können wir in Afrika zehn Familien ernähren», so Rita Gigliotti, Inhaberin des Nähateliers Rita in der Brugger Altstadt und – gemeinsam mit ihrem Ehemann Antonio – Leiterin des Afrika Hilfswerks «AntoRita Academy» in Ukunda in Kenia.

Was damals mit dem Bau eines Brunnens begonnen hat, ist heute zu einer Schule mit 8 Lehrern, einem Hauswart und über 150 Schülern herangewachsen. «Mein Herz platzt vor Stolz», so die gebürtige Italienerin. Gemeinsam mit ihrem Mann erinnert sie sich zurück.

Vom Quartierfest zum Brunnen

«Wir wohnten damals erst zwei Jahre in unserem Haus in Fislisbach, als uns die Idee kam, durch ein kleines Quartierfest Spenden für unser Hilfswerk zu sammeln. Wir verkauften Spaghetti für rund acht Franken die Portion. Die Leute gaben uns aber oft zwischen 20 und 30 Franken. Weinflaschen kauften sie uns sogar für 50 Franken ab.

Unsere Nachbarn wollten uns unterstützen, wofür wir ihnen immer dankbar sein werden», erinnert sich Antonio Gigliotti zurück. «Rund 3000 Franken kamen damals zusammen. Damit liessen wir unser erstes Projekt in Kenia bauen: einen Brunnen.» Das sollte aber nicht das Einzige bleiben, was das Ehepaar bauen sollte. Die Jahre vergingen und die Besuche in Kenia häuften sich. Das Ergebnis: eine Schule, in der über 150 Kinder ihre schulische Ausbildung erhalten.

«Wir lernten viele Leute kennen, die unser Engagement bewunderten und unterstützen wollten. Im dritten Jahr spendierte uns beispielsweise ein Mann 30 Schulbänke für unsere Schule. Gerade erst letztes Jahr spendete eine Dame aus Riniken einen grösseren Geldbetrag, nachdem sie Anfang des Jahres die Schule in Ukunda zusammen mit ihrer Schwester besucht hatte.» Nun wolle sie diesen Frühling mit ihrer Enkelin hinfliegen und ihr alles zeigen.

Es seien auf diese Weise viele Freundschaften auf der ganzen Welt entstanden, erzählt Rita Gigliotti melancholisch. «Uns ist es sehr wichtig, dass die Leute, die uns unterstützen, auch sehen können, wohin ihre Spenden fliessen. Schon viele Spender haben uns in Kenia besucht und waren auch glücklich darüber, dass sie es getan haben», ergänzt Antonio Gigliotti. «Spender, die uns stark unterstützt haben, haben wir auch namentlich auf den Holzbänken und Mauern der Schule verewigt, als Zeichen unserer Wertschätzung.»

Es muss nicht immer Geld sein

Doch nicht nur Spenden sind im Hilfswerk willkommen. «Einmal ist ein pensionierter französischer Showman in die Schule gekommen. Er war auf einer Kreuzfahrt unterwegs und hatte einen Halt in Kenia gemacht. Er unterhielt einen ganzen Tag lang alle Kinder in der Schule. Das war herzergreifend», erinnert sich Rita lächelnd.

Doch auch die Wertschätzung der Menschen in Kenia sei für das Ehepaar bewegend. «Jedes Jahr freuen sich die Kinder und die Erwachsenen, wenn sie uns sehen. Sie nennen uns Mama Rita und Papi Antonio. Als Zeichen der Dankbarkeit schenken sie uns immer wieder selbst gemachte Sachen wie zum Beispiel geflochtene Bambuskörbe. Sie jubeln, wollen uns anfassen. Wir fühlen uns jedes Mal wie Rockstars.» Das Paar lacht.

Das Ehepaar Gigliotti reist jedes Jahr für mindestens einen Monat nach Kenia. Kaum angekommen, geht es ab dem ersten Tag sofort an die Arbeit. Renovationen werden getätigt, die Gebäude instand gesetzt, mit den Lehrern und Angestellten wird besprochen, ob noch etwas benötigt wird, und natürlich müssen die Schuluniformen jährlich erneuert werden, da die Kinder nicht täglich mit der gleichen Uniform herumlaufen können.

Letztes Jahr wurden rund 80 Uniformen neu angeschafft. «Und doch schicke ich meinen Mann immer wieder abends an den Strand, damit er sich etwas austoben kann nach der vielen langen Arbeit», erklärt Rita und lächelt dabei ihren Mann an. Er ergänzt: «Die Arbeit besteht nun mal darin, alles zu organisieren.

Arbeiter müssen her, das Material muss organisiert werden, die Pläne gezeichnet und so weiter. Leider herrscht da ein sehr schlampiges Arbeitssystem.» Daher müsse man immer aufpassen, wem man Geld in die Hände gebe und mit wem man arbeite.

«Über die Jahre hinweg haben wir viel gelernt, wie wir was angehen müssen, wurden teilweise etwas strenger mit den Menschen dort, da ihre Vorstellungen vom Geldverdienen sich von unseren stark unterscheiden», erläutert Antonio Gigliotti.

Wer das Hilfswerk eines Tages weiterführen wird, ist bisher noch unklar. «Wir hoffen auf unsere Enkelkinder», erklärt Rita Gigliotti mit einem verschmitzten Lächeln. Doch bis es so weit ist, wollen Gigliottis weiterhin ihr Herzblut in ihr Projekt stecken und die Leute dazu motivieren, auch etwas Gutes zu tun.

Spenden sind willkommen:

Kenya, Antonio Gigliotti, Gassäckerstrasse 21, 5442 Fislisbach. Konto 50-69-8 (Hypothekarbank Lenzburg, 5600 Lenzburg); IBAN: CH45 0830 7000 0788 9003 9.

Auskünfte bei
Rita Gigliotti, Atelier Rita
Hauptstrasse 35
5200 Brugg
Telefon 056 442 16 29

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