Das bedeutet der Glaube heute: Angeregte Diskussion im Kulturhaus Odeon

Die katholische Kirche entfachte im Kulturhaus Odeon eine angeregte Diskussion. «Wir können nicht nur warten, dass die Leute zu uns in die Kirche kommen. Wir müssen den Eingang zu den Leuten finden», sagte Theologin Nicole Macchia.

Im Foyer des Kulturhauses Odeon in Brugg im oberen Stockwerk hat sich eine grosse Menge Menschen versammelt. Heute Abend interessiert sie nur ein Thema: der Glaube und seine Bedeutung. In teils angeregten Gesprächen warten die Zuschauer gespannt auf den Beginn der Podiumsdiskussion. Eingeladen hat der Pastoralraum Brugg-Windisch im Rahmen des 110. Jubiläums der Kirche St. Nikolaus Brugg.

Die Ersten nehmen Platz. Eine ältere Dame und ein ebenso älterer Herr werden in einem Rollstuhl in die vorderste Reihe gefahren. Thema des heutigen Abends: Welchen Bezug hat man noch zur Kirche und wie bleibt man am Glauben dran? Anlässlich dieses Themas wurden vier repräsentative Gäste eingeladen: Susanne Andrea Birke, Theologin und Atemtherapeutin; Niklaus Kuster, Kapuziner und Doktor der Theologie; Josef Reissner, emeritierter Professor für metallische Werkstoffe der ETH Zürich und zuletzt die junge Theologin und angehende Kirchenmitarbeiterin Nicole Macchia.

Der Abend wird von Jürgen Heinze im Namen der Fachstelle Bildung und Propstei der römisch–katholischen Kirche Aargau moderiert. Zuerst erzählen die Gäste, was ihnen der Glaube in ihrem Leben bedeutet und welchen Bezug sie dazu haben. Zwischendurch hakt Moderator Jürgen Heinze mit Fragen nach.

Ein Wissenschaftler in der Runde

Nach der Vorstellungsrunde wird die Diskussion eröffnet. Das Thema Glaube ist in Anbetracht der Skandale der vergangenen Jahre rund um den Vatikan kontrovers. Die Frage drängt sich auf: Will man Teil einer solchen skandalösen Institution sein? Zu Beginn sind sich die referierenden Gäste in allen Punkten einig und ergänzen ihre jeweiligen Aussagen. Teilweise klingen die Erklärungen und Ergänzungen fast schon wie eine Predigt in der Kirche. Es wird viel über Liebe und Glauben gesprochen und dass Gott doch letztlich jeden findet. Das Publikum klebt buchstäblich an den Lippen der Referenden.

Als einziger Wissenschaftler in der Runde gibt Josef Reissner seine rationale und wissenschaftliche Meinung dazu. «Gott hat womöglich die Naturgesetze erschaffen, greift aber in ihren Zyklus nicht ein. Auch wenn ein Kind todkrank ist, bringt jedes Beten nichts», sagt er.

Ein Wunder oder doch nicht?

Nachdem die vier Gäste ihren Disput über Gott und dessen Aufgaben und Wirkungsbereiche auf Eis gelegt haben, dürfen sich auch die Zuschauer zu Wort melden. Es kommen Themen wie Wunder auf: Gibt es sie überhaupt oder wie definiert man ein Wunder? Oder auch: Was ist die Aufgabe der Kirche und deren Bedeutung für den Menschen? Die Diskussion wurde angeregter, als Josef Reissner auf rationaler Ebene versuchte zu erklären, dass es für ihn keine Wunder gibt. «Wenn ein Mensch ohne Beine nach Lourdes geht und mit neuen wieder zurückkommt, dann glaube auch ich an Wunder».

Die Kirche kämpft seit längerer Zeit mit Austritten der Mitglieder und versucht nun, neue zu gewinnen. «Wir müssen offener gegenüber anderen Religionen werden und auch von ihnen lernen. Wir können nicht nur warten, dass die Leute zu uns in die Kirche kommen. Wir müssen den Eingang zu den Leuten finden», ergänzt Nicole Macchia zum Schluss und übergibt Moderator Jürgen Heinze das Schlusswort, der zum Apéro einlädt.

Das bedeutet der Glaube heute: Angeregte Diskussion im Kulturhaus Odeon

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